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Vortrag Osservatorio Urbano / lungomare

6. Dezember 2012

 

Praktiken des Alltags

 

2005 gründet der Projektraum Lungomare mit Sitz in Bozen die Plattform und das Netzwerk für urbane Strategien: Osservatorio Urbano. Dieses initiiert Projekte, um Lesearten und Beschreibungen der zeitgenössischen Stadt mittels einer interdisziplinären Annäherungs­ weise zu erörtern. Lungomare erforscht und erprobt in seinen Projekten das Beziehungsge­ flecht zwischen Design, Architektur, Stadtpla­ nung, Kunst und Theorie; die Darstellungs­ und Vermittlungsformen passen sich den jeweiligen Fragestellungen an und reichen von Diskussio­nen, Symposien, Publikationen, Ausstellungen bis hin zu Interventionen im öffentlichen Raum.
Als Forschungsfeld und Ausgangspunkt für das Osservatorio Urbano wird immer wieder die Stadt Bozen definiert, dabei wird das physi­sche und soziale Gefüge der Stadt beobachtet und analysiert, und mit Fragestellungen in Be­ zug auf die Entwicklung anderer europäischer Städte in Beziehung gesetzt. Bozen verdankt seinen eigentümlichen und ungewöhnlichen Charakter der Tatsache, dass hier seit den Zwanzigerjahren zwei Bevölkerungsgruppen, deutscher und italienischer Sprache, zusam­menleben, und ganz bewusst den Stadtraum individuell abstecken, definieren und sich über ihn identifizieren. Die Stadt scheint für Brach­ liegendes oder Baufälliges und für urbane Frei­räume und Spontaneität keinen Platz zu haben, jedes Grundstück wird intensiv zur Bebauung oder für die Landwirtschaft genutzt. Bozen ist die Landeshauptstadt einer der reichsten Provinzen Norditaliens, die Selbstverständlich­ keit, sich aktiv an der Gestaltung des urbanen Raums zu beteiligen, und nach einer gemein­ samen Vision zu suchen, gestaltet sich somit wesentlich komplexer.


Das Osservatorio Urbano möchte die Bewohner der Stadt aktivieren, ihre alltägliche Umgebung – ihr individuelles, nicht technisches und disziplinenübergreifendes Wissen – zu reflektieren und zu teilen. Das Bewusstsein für die Emotionalität, die Verknüpfung von Raum und Zeit, und die Toleranz für Imperfekti­on, Komplexität und Widersprüchlichkeit soll wachsen. Die Bevölkerung soll sich ihrer aktiven und kreativen Rolle bewusst werden und als urbaner „Experte“ an den Transforma­ tionen der Stadt teilnehmen. Der Stadtraum wird zu einem Produkt der Gesellschaft und zugleich zum Ort der Produktion und Repro­ duktion derselben.

 


Osservatorio Urbano (Angelika Burtscher, Roberto Gigliotti, Daniele Lupo, Bolzano, Italien) ist als offenes Laboratorium strukturiert, das es ermöglicht, in direkten Kontakt mit den Bildern und Impressionen zu treten, die die BewohnerInnen von ihrer Stadt haben. Durch Interventionen, die auf Aspekte wie Spontaneität, Emotionen und Unvorhersagbarkeit des urba­ nen Kontexts fokussieren, hat sich das Projekt in den letzten Jahren breiter und langfristiger entwickelt. Die kreative Entwicklung von Stra­ tegien die Stadt zu lesen dient der Absicht, Stadtraum intuitiv und interdisziplinär wahrzu­nehmen. Realisierte Interventionen sind unter anderem Agency for Urban Exploration Bolzano (2005 –2010), Sette per Sette und Statt der Engel (2010); 2008 publizierte Osservatorio Urbano das Buch Traum Stadt Wir – Möglichkeiten urbaner Wahrnehmung (Studienverlag Innsbruck­Wien­ Bozen).

 
 
 
 
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