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Vortrag Alisa Prudnikova

6. Dezember 2012

 

 

Die neue Rolle der Industrielandschaft: Industrien der Sinnstiftung

 

Die Ural Industriebiennale für zeitgenössische Kunst in Jekaterinburg, die diesen September zum zweiten Mal stattfand, operiert an der Schnittstelle verschiedener kultureller, ökono­mischer und politischer Entwicklungen.
Sie begreift sich als strategische Intervention in die Verwandlung der Industriehauptstadt der UdSSR in eine postindustrielle Stadt, ein Prozess, der in Jekaterinburg im Gegensatz zu vielen anderen Städten der Welt, nicht abgeschlossen ist. Ein erheblicher Teil der städtischen Ökonomie ist nach wie vor mit der Industrieproduktion verbunden, wodurch ständig Spannungen zwischen verschiedenen urbanen und sozialen Räumen entstehen,
die interpretatorische Lücken eröffnen, in die die Biennale vorzustoßen sucht. Zeitgenössi­sche Kunst wird im Kontext von Jekatarinburg immer noch als etwas „Fremdes“ empfunden, das herkömmlliche Kunstauffassungen und feste Vorstellungen davon, was Kultur ist und sein sollte, infrage stellt. Genau wegen dieser Fremdheit aber kann zeitgenössische Kunst auch die Teile des lokalen Bewusstseins ansprechen, die „sich selbst fremd“ sind: als Industriebiennale erinnern wir die Klasse der postindustriellen Kreativen daran, dass sie immer noch in einer Industriestadt leben, und als zeitgenössische Kunstbiennale erweitern wir die Erfahrung derer, die immer noch in der Industrieökonomie leben, um völlig neue Dimensionen.
In meinem Beitrag werde ich erläutern, auf welch vielfältige Weise die Biennale ihre einzig­artige Zwischenposition in Jekatarinburg nutzt, wie sie mit lokalen intellektuellen Szenen inter­ agiert, die ihrerseits in Vertreter alter und neuer Wissens­ und (Selbst)darstellungsformen zerfallen, und wie sie versucht, die Kulturland­ schaft der Stadt so zu verändern, dass sie ein wenig offener wird für andere große Projek­te wie die Weltausstellung 2020, für die sich Jekatarinenburg beworben hat.


Alisa Prudnikova ist Kommissärin und künst­lerische Leiterin der Ural Industrial Biennial of Contemporary Art; Direktorin des Ural Branch of the National Center for Contemporary Arts, und Lehrbeauftragte am Department für Kunst­geschichte und Kulturwissenschaften an der Ural Federal University. Von 2002 bis 2008 war sie Chefredakteurin von ZA ART, einem Maga­zin für KunstproduzentInnen wie Kunstkonsu­mentInnen. 2006 bis 2008 sowie 2011 war sie Expertin, 2009 Jurorin des ersten russischen Nationalpreises für zeitgenössische Kunst. Ferner war sie als Kuratorin und Organisatorin tätig und hat an über 20 interregionalen und internationalen Konferenzen teilgenommen.

 
 
 
 
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