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Project director: Helge Mooshammer

 

Andere Märkte: Vernetzte Lebenswelten im städtischen Wandel des 21. Jahrhunderts (FWF, 2010-2015)

 
 
 


Architektur ist materielle Politik – eine Form von politischer Konfliktpraxis, in der Kultur verhandelt wird. Dieses Projekt erforscht die Architektur ‚anderer Märkte‘: Räume informellen Handelns, die zu paradigmatischen Schauplätzen für das Entstehen vernetzter Lebenswelten im urbanen Wandel des 21. Jahrhunderts geworden sind. Im Sog ökonomischer Deregulierung und der damit verbundenen Mobilisierung von Menschen und Gütern haben informelle Systeme einen globalen Wirkungsradius erlangt – bei der Strukturierung sozialer Beziehungen, im Bewohnen unserer Umwelten oder in der Teilnahme an politischen und gesellschaftlichen Prozessen. Informelle Märkte, die sich an den Rändern von Metropolen oder entlang von Staatsgrenzen ansiedeln und oftmals weltweite Verbindungen unterhalten, bilden wichtige Knotenpunkte in diesem Geschehen. Inmitten der Ökonomisierung aller Lebensbereiche und der Ausbreitung transnationaler Räume formen diese Plätze Prototypen einer neuartigen und extremen Raumkonfiguration.

Im Brennpunkt der Untersuchungen stehen die Modalitäten der Raumproduktion informeller Märkte und ihre Bedeutung für neue Modelle von Zusammenleben und Austausch. Die global verteilten Knoten der informellen Ökonomie sind meist ein Effekt politischen Umbruchs, ökonomischer Destabilisierung, neuer Arbeitssituationen und Migrationsbewegungen. Angesichts des Ausfalls institutioneller Protokolle erzeugen sie komplexe Systeme alternativer Beziehungen. Das Projekt nähert sich diesen Entwicklungen mittels theoretischer und empirischer Untersuchungen zur visuellen Kultur informeller Märkte. Es platziert die Architekturen informeller Märkte als performative Praktiken und Indikatoren global wirkender rechtlich-politischer Abgleichungen, deren Mechanismen mittels Feldstudien und transdisziplinärem Austausch in drei verschiedenen Weltregionen (China/ Südostasien; Amerika/Grenzgebiete der USA; Südosteuropa und Mittelmeerregion) erforscht werden.

Die Forschung bezieht diese Erkenntnisse auf den aktuellen Diskurs zu gestaffelter Mobilität, temporärer Landnutzung und flexibler (Staats-)Bürgerschaft: Welche Rolle können informelle Schauplätze für neue Formen des Regierens und für alternative Systeme des Austauschs spielen? Dieser Theorierahmen zur Entwicklung und Funktionsweise ‚vernetzter Lebenswelten‘ folgt den Beziehungsstrukturen, Raumformationen und transnationalen Bahnen informeller Märkte, um den Wirkungsbereich informell koordinierter Handlungsweisen jenseits des Zugriffs etablierter Institutionen zu erforschen. Ein von der Forschung produzierter ‚Atlas’ soll Strategien informeller Raumaneignung, selbstorganisierten Austauschs und unaufgeforderter Teilnahme gegenüber sich verändernden sozio-ökonomischen Bedingungen urbanen Raums und der Tendenz zu Marketisierung, Transnationalisierung und Fragmentierung aufzeigen. Diese Ergebnisse sollen das katalytische Potenzial von Architektur in der Umgestaltung von globalen Praktiken in situierte kulturelle Logiken veranschaulichen und so einen wichtigen Beitrag im transdisziplinären Diskurs zum Umbau von Städten im 21. Jahrhundert liefern.

Projektleitung: Arch. DI Dr. Helge Mooshammer

 
 
 
 
 
 
 
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