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Karin Reisinger

Abstract

 

Grass Without Roots: Eifel, Gorongosa and Losiny Ostrov

 
 
 

 

 


Eifel, Gorongosa und Losiny Ostrov sind drei Beispiele des migrierten Konzepts Nationalpark mit ähnlichen Biographien, aber situiert in unterschiedlichen kulturellen Kontexten: Deutschland, Mosambik und Russland, nämlich direkt in Moskau. Obwohl die politische und gesellschaftliche Entwicklung dieser Orte sehr unterschiedlich ist, zeigt jede einzelne Geschichte eine starke Verbindung von Natur und Krise: Der Nationalpark Eifel umschließt Ordensburg Vogelsang, eine Eliteschule zu NS-Zeiten. Zurzeit wird sie teilweise zu einem touristischen Nationalparkzentrum umgebaut, nachdem ein lokaler Förderverein den Prozess der Nationalparkwerdung initiierte. In Mozambique okkupierte die RENAMO (Nationaler Widerstand Mozambiques) während dem Bürgerkrieg in den 90ern den Nationalpark Gorongosa als militärisches Hauptquartier; die architektonischen Anforderungen für Militär und Tourismus waren formal ähnlich. Auf Initiative von NGOs und einem U.S.amerikanischen Privatinvestor wurde der Park vor zwei Jahren wieder für TouristInnen geöffnet. Der Nationalpark Losiny Ostrov, mittlerweile von der Stadt Moskau umringt, verdankt seine Existenz der ´Zeit der Wirren´ (Smuta) und wurde aufgrund von Verwendung als Kleingärten und zur Viehzucht während dem Zweiten Weltkrieg als Naturreservat stark gefährdet. Diese Fallstudie führt zurück in die Stadt und zeigt das Verschwimmen der Grenzen zwischen Natur und Stadt auf. Gerade in Konflikten zwischen EinwohnerInnen und ÖkologInnen, zwischen Formalem und Informellem, zwischen Globalität und Lokalität entstehend, wird das offensichtlich traditionelle Konzept des Nationalparks, das sich aus dem amerikanischen Freiheitsmythos des 19. Jahrhunderts entwickelte, konstant in seinen weltweiten und regelmäßigen Wiederholungen adaptiert, und zwar mit jedem neuen Nationalpark, der vom IUCN (Internationale Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen) mit dem Hauptquartier in der Schweiz genehmigt werden muss. Innerhalb dieses Konservierungsapparates werden zusätzliche Funktionen entlang neuer Manifestationen von Alltagslogistiken generiert. Orte im Ausnahmezustand nach der Definition von Giorgio Agamben benötigen eine spezielle Ganzheit und Abgeschlossenheit, sodass sie in ihrer Souveränität operieren können. Sie müssen sich abgrenzen – zurückziehen, widerstehen, überleben – um von Transformation und kulturellen Interventionen ausgenommen zu werden. Bezugnehmend auf dieses Setting von konnektiven Geographien von ´globalen Gärten der westlichen Gesellschaft´ möchte ich zwei Fragen stellen: (1) Welche sind die Prozesse, die geschlossene Räume einer ´Typologie der Ausnahme´ im Ausmaß von minimalen architektonischen Manifestationen bis zu Geographien in Zeiten politischer Instabilität formen? (2) Und: Wer übernimmt die Rolle und Verantwortung, genau diese Räume zu bewohnen und dadurch zu verändern? Beziehungsweise welche Brüchigkeiten und Funktionsverschiebungen können durch Aneignung und Bleiben, ohne formale Bedingungen zu erfüllen, hergestellt werden? Im Gegensatz zu professioneller Regionalplanung soll hier der Einfluss von marginalisierten ProduzentInnen von Raum in den akademischen Diskurs transferiert werden. Auch von Herman Melville´s ´Bartleby´ von 1853 instruiert, möchte ich gedachte, gebaute und gelebte Komplizenschaften (EinwohnerInnen, NGOs, Communities, Regierungen) analysieren, indem Genealogien, Logistiken und Risiken dieser Beispiele, die in Verbindung von Ausnahme und Deterritorialisierungslinien entstehen, aufgezeigt werden.

 
 
 
 
 
 
 
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