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Christian Rabl

Abstract

 

Themenarchitektur in einer anti-essentialistischen Neubeschreibung

 
 
 

 

 

„Themed architecure“ beschwört einen Gebetseifer architekturideologischer Allgemeinplätze. Sie steht für verderbliche Künstlichkeit und für „global blanding“, die globale Gleichmacherei. Sie gilt als nichtauthentisch, kommerziell, pervertiert, verlogen. Die akademische Architekturtheorie eruiert an den gegenwärtigen Varianten simulatorischer und stilimitierender Architektur gesellschaftliche Verwerfungen, die mit der Kommerzialisierung urbaner Szenarien nach den Prinzipien kapitalistischer Angebotsökonomie einhergehen.

Zu unterscheiden ist jedoch die soziologische und urbanistische Kritik an den Sozialpathologien urbaner Kommerzialisierung von der im akademischen Architekturdiskurs vorherrschenden Grämlichkeit bezüglich der scheinbaren ästhetischen Inferiorität. In der ästhetische Konfigurationen rezipierenden Architekturtheorie dominieren weitestgehend Positionen, die ihr Feindbild des thematischen „Erlebnisdesigns“ unter Verwendung der kulturkritischen Termini des „Spektakels“ oder des „Simulakrums“ denunzieren und unter Mobilisierung essentialistischer Sprachspiele als Nicht-Authentisches und Künstliches verwerfen. Eine Gleichsetzung sozialer Defizite oder Vereinseitigungen im Kontext konsumistischer architektonischer Simulationen und Replika mit ihrer phänomenologischen ästhetischen Ebene ist jedoch ebenso unzulänglich wie eine Gleichsetzung der architektonischen Repräsentationen des „themed place-makings“ mit ihrer (gesellschafts-)politischen Programmatik. Sei es in der Form einer kastrativen Konsumfixierung des öffentlichen Lebens oder als restaurative Konservierung gesellschaftlicher Vergangenheiten in einem mal elitär, mal populistisch arrangierten Neotraditionalismus.

Gleichzeitig traktiert das ästhetische Feld der „themed architecture“ jedoch die kontemporäre westliche Architektur und ihre Reizresistenzen in einer Weise, die ihre Gesamtverfasstheit um antithetische Neubeschreibungen und eine erweiterte kritische Handlungsfähigkeit bereichern könnte. Gegen die philosophischen Vorentscheidungen, die Themenarchitektur mit Entfremdung und Hyperrealität gleichsetzen, soll eine kontingenztheoretische, anti-essentialistische Beschreibungsweise gesetzt werden, die jene metaphysischen Platzierungen deplausibilisiert, die gegen eine vermeintliche „Echtheit“ architektonisch hegemonialer Ordnungen die „Künstlichkeit“ thematischer Architekturen abserviert. Politikformulierungen der Gegenwartsphilosophie und Queer Theory, die die Freiheitsgrade repressierter und marginalisierter Lebens- und Begehrensformen erweitern wollen, indem sie Zuweisungsfunktionen von „Substantialität“ als kontingente Machttechniken, als Akte des Performierens „deontologisieren“, bilden dazu das Feld theoretischer Konsultationen: Richard Rortys anti-essentialistischer „Ironismus“, der gesteigerten Kontingenzerlebnissen einen radikaldemokratischen, befreienden Wert zuschreibt; Judith Butlers Politik queeren Resignifizierens, die „travestierende“ Artifizialität und Nicht-Authentizität als Dekonstruktion substantivischer Bedeutungsökonomien begreift; die subversiven Affirmation des Künstlichen im Camp-Ästhetizismus, der in seinen eskapistischen Neubeschreibungen marginalisierter Architekturen die ideologischen Erzeugnisse eines philosophischen Essentialismus zum Tanzen bringt.

 
 
 
 
 
 
 
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